Regiomontanus

 

 

Johann(es) Müller, lateinisch genannt Regiomontanus (= der Königsberger) - * 6. Juni 1436 im unterfränkischen Königsberg in Bayern; † 6. Juli 1476 in Rom, war ein bedeutender, Astronom Mathematiker und Verleger.

 

Kurz genannt: Hans Müller, latinisiert Johannes Molitor(is), und verwendete meistens den vom Herkunftsort abgeleiteten Humanistennamen Joannes de Monteregio. Der latinisierte Name Regiomontanus wurde von ihm selbst und seinen Zeitgenossen noch nicht gebraucht, sondern wurde wahrscheinlich erstmals 1531 verwendet.

 

Regiomontanus war neben seinem Lehrer Georg von Peuerbach der bedeutendste Vertreter der Wiener astronomischen Schule und ein Wegbereiter des Kopernikus.


Leben:

 

Regiomontanus wurde im Jahr 1436, am 6. Juni um 4 Uhr und 40 Minuten nachmittags) in Königsberg geboren. Die Genauigkeit dieses Datums geht sicherlich auf eine astrologische Rektifikation für das Geburtshoroskop zurück und nicht auf eine dokumentarische Überlieferung.

 

Der Vater Johannes Molitor. Senior besaß, wie die Ausbildung des Sohnes nahelegt und Erasmus Reinhold über die Eltern auch ausdrücklich bemerkt, einigen Wohlstand.

 

Für die hohe Stellung des Vaters in der Königsberger Gesellschaft spricht auch, dass seine Tochter Catharina († 1490), die Schwester von Regiomontanus, in zweiter Ehe den Bürgermeister von Königsberg Johannes Schirling heiratete.

 

Regiomontanus muss sehr früh astronomische Kenntnisse erworben haben, da er bereits für 1448, als er 12 Jahre alt war, ein astronomisches Jahrbuch errechnete, wie man es für die Erstellung von Horoskopen benötigte.

 

In der Forschung nimmt man sogar an, dass er identisch sein könnte mit einem Johannes Molitoris, der sich bereits ein Jahr zuvor (1447) an der Universität Leipzig einschrieb.

 

145 Immatrikulation an der Wiener Universität, deren Artistenfakultät zu dieser Zeit eine der bedeutendsten mathematisch-astronomischen Schulen war. 1452 wurde er Baccalaureus, 1457 Magister und lehrte Mathematik und Philologie.

 

Regiomontanus stand in Wien in Beziehung zum kaiserlichen Hof, wo er für Friedrich III. ein Horoskop über dessen Braut Eleonore von Portugal und später für diese selbst ein Horoskop über den Thronfolger Maximilian I. erstellte.

 

Prägend wurde für Regiomontanus in Wien aber besonders der Einfluss des Humanismus, insbesondere die Beziehung zu Georg von Peuerbach, der in Wien 1448 Baccalaureus und 1453 Magister geworden war, und dessen Vorlesung von 1454 über Planetentheorie Regiomontanus später unter dem Titel Nova theorica planetarum (1472) im Druck herausgab.

 

Kardinal Bessarion hat Peuerbach und Regiomontanus nach Rom eingeladen, Peuerbach ist aber im selben Jahr unerwartet verstorben, danach begab sich Regiomontanus 1461 alleine mit dem Kardinal nach Rom, wo er die Arbeit am Almagest weiterführte und 1463 zum Abschluss gebracht hat. Später unter dem Titel Epytoma in almagestum Ptolomei (Venedig 1496), als ein kommentierter Auszug aus dem Almagest gedruckt, wurde sie zu einem der grundlegenden Werke für die Astronomie der Renaissance, das unter anderem auch von Kopernikus und Galilei benutzt wurde.

 

Während seines Aufenthaltes in Italien verfasste er auch die Schrift De triangulis omnimodis (1462−1464, gedruckt 1533), mit der er die neuzeitliche Trigonometrie begründete.

 

1467 begab er sich nach Ungarn, wo ihn der Erzbischof von Gran mit der Erstellung astronomischer Tafeln beauftragt hat.

 

1471 zog er im Auftrag von König Matthias nach Nürnberg, um dort die Tafeln der Planetenbewegungen noch weiter zu verbessern. Wegen des florierenden Instrumentenbaus und der guten Lage blieb er zunächst als Gesandter des Königs, später aber in eigener Entscheidung.

 

Er eröffnete eine eigene Druckerei, in der er seine Tabellenwerke in bester Qualität herstellen wollte, ein Projekt, das sein früher Tod vereitelte.

 

1472 veröffentlichte er dort Peuerbachs Theoricae novae Planetarum und das Lehrgedicht Astronomica von Manilius. In Nürnberg führte er systematische Himmelsbeobachtungen mit selbst gefertigten Instrumenten aus. Papst Sixtus IV. lud ihn zur Mitarbeit an der anstehenden Kalenderreform 1475 nach Rom ein, Veröffentlichung seines Calendariums.

 

Ein Jahr später starb er (wahrscheinlich an einer Seuche) im Alter von nur 40 Jahren. Seine astronomischen Beobachtungen wurden von seinem Schüler Bernard Walther über viele Jahre fortgesetzt. Walther hatte den Nachlass Regiomontans erworben, gestattete aber niemandem Einsicht. Ein Teil der Manuskripte wurden später von Johannes Schöner publiziert.

 

Wirken in der Astronomie:

 

Regiomontanus gilt als bedeutendster Mathematiker seiner Zeit und früher Reformator des Julianischen Kalenders.

 

1468 erschienen seine Tabellen für die Sonnendeklination (Tabula primi mobilis). Sein Calendarium für die Zeit von 1475 bis 1531 mit neu berechneten Positionsangaben von Sonne und Mond, einschließlich präzisen Zeitbestimmungstabellen, sowie die Ephemerides astronomicae ab anno 1475–1506 wurden für die Seefahrer seiner Zeit unverzichtbare Hilfsmittel (wegen der Zuverlässigkeit seiner Berechnungen und der Qualität).

 

Seine Ephemeriden haben durch die verbesserten Navigationsmöglichkeiten die Entdeckungsfahrten von Seefahrern wie Christoph Columbus oder Vasco da Gama erheblich erleichtert.

 

Seit 1451 beobachtete er zusammen mit Georg von Peuerbach Kometen, Konjunktionen von Planeten (inklusive Mond) und Finsternisse, um die Genauigkeit der astronomischen Tafelwerke zu überprüfen.

 

Im Jänner und Februar 1472 beobachtete er den Kometen C/1471 (Regiomontanus). Seine erst posthum 1532 von Johannes Schöner publizierte Abhandlung Problemata XVI de cometae (1472) magnitudine longitudineque ac de loco ejus vero ist gemäß Edmund Halley die erste wissenschaftliche Beschreibung eines Kometen (zumindest in Europa).

 

Seine Beobachtungen und Vergleiche mit den Ergebnissen der antiken Wissenschaft (Aristoteles) sollten nach seiner Ansicht die Astronomie erneuern und „die Wahrheit“ finden.

 

Die Genauigkeit seiner astronomischen Beobachtungen wurde erst von Tycho Brahe übertroffen, seine Beiträge zur Geometrie und Trigonometrie waren wegweisend.

 

Der Mondkrater Regiomontanus trägt seinen Namen sowie der Asteroid (9307) Regiomontanus. Die Nürnberger Volkssternwarte ist ebenso nach ihm benannt wie das Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt und die Fachoberschule in Coburg (Regiomontanus-Schule). Auch gibt es eine astronomische Zeitschrift mit seinem Namen - Regiomontanusbote.

Werke (werden noch vervollständigt)

 

Werke (wird noch vervollständigt):

 

Joannis Regiomontani Opera collectanea

Scripta Clarissimi Mathematici M. Ioannis Regiomontani, De Torqueto, Astrolabio armillari, Regula magna Ptolemaica,

Tabula primi mobilis

Ephemerides astronomicae

Problemata XVI de cometae (1472) magnitudine longitudineque ac de loco ejus vero